Ritterorden waren für die Besiedlung und den
Landesausbau in der Mark Brandenburg und ihren
Nachbargebieten von etwa der gleichen Bedeutung wie die
Zisterzienser. Im Gegensatz zu diesen haben sie jedoch
bisher sowohl in der Landes- als auch in der
Ordensforschung nur im geringen Maße die
Aufmerksamkeit auf sich gezogen, obwohl sie einen
erheblichen politischen Einfluss auf die Geschicke des
Landes hatten und die Johanniter als einzige
Ordensgemeinschaft in der Mark die Reformation
überdauert haben und (mit einer Unterbrechung von
etwa vierzig Jahren) bis heute hier bestehen. Trotz
einer ganzen Reihe von Ortsnamen, die noch an sie
erinnern, wie Tempelhof, sind Templer und Johanniter in
Brandenburg kaum noch im Bewusstsein präsent.
Für ihre Orden, deren hauptsächliches
Wirkungsgebiet sich im Heiligen Land und im
übrigen Mittelmeerraum befand, lagen die Kommenden
in und um Brandenburg am Rande ihrer
Einflusssphären. Dies war eine der wesentlichen
Voraussetzungen dafür, dass sich – nicht
zuletzt aufgrund der Übernahme der Kommenden des
Templerordens zwischen 1311 und 1318 mit ihren
umfangreichen Besitzungen – im Bereich dieser
Peripherie mit der Ballei Brandenburg ein Ordensverband
bilden konnte, der innerhalb des Johanniterordens eine
weitgehende Selbständigkeit erlangte, die nach dem
Dreißigjährigen Krieg schließlich zu
einer Abspaltung führte. Diese Entwicklung war
für die Johanniter einzigartig, da keine andere
ihrer Balleien einen ähnlichen Grad an
Selbständigkeit erreichen konnte.
700 Jahre, nachdem der Templerorden aufgelöst und
verboten und alle seine Besitzungen auf päpstliche
Anordnung den Johannitern „vererbt“ wurden,
widmet sich eine Tagung diesen beiden Orden und ihren
Hinterlassenschaften in der Mark.
Die von der Landesgeschichtlichen Vereinigung für
die Mark Brandenburg in Zusammenarbeit mit dem
Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte der
Universität Potsdam durchgeführte Tagung
beginnt mit einem Abendvortrag in den Räumen der
Universität Potsdam. Die eigentliche Tagung, zu
der deutsche und polnische Experten aus verschiedenen
Fächern wie Geschichte, Bau- und Kunstgeschichte,
Archäologie und Denkmalpflege zusammenkommen
werden, findet im Haus der
Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam
statt. An zwei Tagen, von denen jeweils einer den
Templern und einer den Johannitern gewidmet ist, wird
zum einen die historische Entwicklung der Templer- und
Johanniterkommenden in der Mark und die der von ihnen
gebildeten Verbände an der Peripherie ihrer Orden
sowie deren Beziehungen zur Ordensleitung thematisiert.
Zum anderen werden neue Ergebnisse der verschiedenen
Wissenschaftsdisziplinen zu den konkreten
Hinterlassenschaften in Werben, Berlin-Tempelhof,
Lietzen, Quartschen (Chwarszczany), Sonnenburg
(S³oñsk) und anderen Orten vorgestellt.
Eine Busexkursion wird am Sonntag die Kommende Lietzen
und die in der Neumark gelegenen Ordensniederlassungen
in Quartschen, Lagow und Sonnenburg aufsuchen und eine
Diskussion an den Objekten ermöglichen.
Nähere Informationen zum Programm finden sich im
Programm-Flyer und
können auch bei den untenstehenden Organisatoren
erfragt werden.
Kontakt: Dr. Christian Gahlbeck, Freie Universität Berlin, Friedrich-Meinecke-Institut, Koserstraße 20, 14195 Berlin (cgahlbeck@t-online.de); Dirk Schumann M.A., Kollwitzstraße 74, 10435 Berlin (dirk.schumann@onlinehome.de).